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Es begann mit 10 Mahlzeiten

Im Jahr 2000 wurde in Strumica (Nordmazedonien) das nach der ehemaligen Missionarin Ellen Stone benannte Sozialzentrum «Miss Stone» errichtet. Die Idee war schon damals, für Menschen in Not da zu sein. Es ist staunenswert, was seither gewachsen ist – und ein beeindruckendes Zeugnis unermüdlichen Engagements und gelebter Herzensweite.
 
Als 2001 die Idee eines Mahlzeitenlieferdienstes für bedürftige Menschen realisiert wurde, waren es gerade einmal 10 Personen, welche auf diese Weise mit warmen Mahlzeiten versorgt wurden. Und, wie Christina Cekov in den aktuellen «Miss-Stone News» schreibt, selbst dies war mit ungeahnten Widerständen verbunden: «Neidische Nachbarn und Familienangehörige, die sich selbst nicht um diese Leute kümmerten, machten grosse Schwierigkeiten und redeten den Empfängern ein, mit Annahme und Konsum des Essens von ‘Protestanten’ würden sie selbst zu ‘Protestanten’ werden.» Immer wieder wurde den Verantwortlichen auch die Frage gestellt: «Wenn nicht einmal mehr meine Nachkommen für mich sorgen wollen – weshalb tut ihr es dann?» Eine Frage, die von den Verantwortlichen ohne den Verweis auf das Fundament von Glauben, Hoffnung und Liebe wohl nicht beantwortet werden könnte.
 
Wachsende Not – Wachsende Arbeit
Zehn Jahre später war die Arbeit des «Miss-Stone-Zentrums» anerkannt – und es waren bereits gut 100 Personen, die fünfmal wöchentlich eine warme Mahlzeit nach Hause geliefert bekamen. Heute, 25 Jahre nach der ersten Auslieferung einer warmen Mahlzeit, sind es 220 Personen, die durch «Essen auf Rädern» versorgt werden.
 
Staunenswerte Zuverlässigkeit
Dass die Arbeit in all diesen Jahren – trotz COVID-19, Problemen mit der Wasserversorgung sowie finanziellen und personellen Herausforderungen – nie auch nur einen einzigen Tag unterbrochen werden musste, ist alles andere als selbstverständlich. Christina Cekov schreibt: «Gott hat uns durch viele schwierige Zeiten und unzählige Herausforderungen getragen. Unser Dank gilt in erster Linie ihm – und auch allen, die uns, auf welche Art auch immer, unterstützt und dadurch diesen Dienst erst möglich gemacht haben.» Eine Aussage, die allerdings noch einer Ergänzung bedarf: Denn ohne das beeindruckende und inspirierende Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter der Leitung von Martin Konev gäbe es die Arbeit in ihrer heutigen Form auch nicht. Was sie als Auftrag und Berufung betrachten, ist stärker als die Schwierigkeiten.
 
Ausbau der Arbeit
Längst umfasst die Arbeit auch Abgabe von weiteren 50 warmen Mahlzeiten an Bedürftige in der nahe gelegenen Kleinstadt Radovish. Mahlzeiten, die ebenfalls Tag für Tag in der Küche des «Miss-Stone-Zentrums» gekocht werden. Und auch ein Hauspflegeprojekt ist entstanden. Rund 30 Personen, die kaum noch oder gar nicht mehr in der Lage sind, ihre Wohnung zu verlassen, erhalten eine zuverlässige Haushaltshilfe und Pflege, solange diese nicht den Einsatz einer Ärztin oder eines Arztes erfordert. Und manchmal organisieren die Verantwortlichen auch Brennholz, Kleider oder andere Formen konkreter Hilfe.
 
Ein schwieriger Spagat
Als Folge der Realität, dass viele Menschen das Land Nordmazedonien verlassen, um anderswo eine besser bezahlte Arbeit zu finden, ist es inzwischen sehr schwierig geworden, eine stabile Personalsituation zu gewährleisten. Und neue, gute Arbeitskräfte zu finden, erweist sich als immer grössere Herausforderung. Denn höhere Gehälter zu bezahlen, trägt das Potenzial in sich, das Budget der ganzen Arbeit aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein Budget 2027, das für «Essen auf Rädern» und die warmen Mahlzeiten in Radovish Ausgaben von rund EUR 210'000.— vorsieht. Mehr als 40% davon werden übrigens im Land selbst aufgebracht – auch in Form von Naturalspenden. Was als sehr grosse Summe erscheint – und was auch eine beträchtliche Summe ist – relativiert sich aber ein wenig, wenn man bedenkt, dass pro Jahr rund 70'000 Mahlzeiten gekocht werden. 3 Euro für einen Tag Zuwendung, Nahrung und Hoffnung – das ist ein fairer Preis.
 
Quelle: Christina Cekov, Strumica / Urs Schweizer, Zürich
 
 
Foto © Christina Cekov: Warme Mahlzeiten für Radovish