Vom 28. bis 30. Mai 2026 tagte in Paprotnia (bei Warschau) die Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Polen.
«Wohin will uns Gott als EMK führen? Wer wollen wir sein – und wie soll unsere Kirche in den nächsten Jahren aussehen? Wie können wir unsere Mission leben und nahe bei den Menschen sein? Sind wir Zeuginnen und Zeugen von Jesus Christus – oder sind wir Beobachterinnen und Beobachter?» Über diese und andere Fragen fand an der diesjährigen Tagung der Jährlichen Konferenz der EMK in Polen ein lebendiger Austausch statt. Um möglichst viele zu beteiligen, wurden kleine Gesprächsgruppen gebildet. Für Esther Stauffer, die als Delegierte der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika nach Polen gereist war, waren diese Gespräche einerseits eine eindrückliche Form einer offenen Kommunikation. Andererseits waren sie aber auch Ausdruck einer Sehnsucht nach einer neu aufblühenden Kirche.
Auch im Bericht des leitenden Superintendenten Andrzej Malicki klangen Fragen nach der Gegenwart und Zukunft der EMK in Polen an – wobei er auch die persönliche Ebene betonte: Berufung sei keine persönliche Ambition, sondern wurzle in einer persönlichen Begegnung mit Gott. Und die Kirche brauche Menschen, die Gott treu seien, sich von ihm senden liessen und ihre jeweilige Berufung im Alltag lebten. Mit einem erneuerten Herzen und mit einem Leben, das von den Werten von Jesus Christus geprägt sei.
Ein kontrovers diskutiertes Thema war die Reorganisation der Bezirke. Einerseits waren mahnende Stimmen hörbar, dass beispielsweise «die Auflösung einer Gemeinde ein Ticket ohne Rückfahrschein» sei. Andererseits wurden auch Hoffnungsgeschichten erzählt, so zum Beispiel von einer Gemeinde, die nach menschlichem Ermessen am Sterben gewesen sei. Nach einer Zeit des Betens seien aber plötzlich neue Menschen hinzugekommen, und zuletzt habe gar eine zweite Gemeinde gegründet werden können.
Dass es in der EMK Polen einen Mangel an Pastorinnen und Pastoren gibt, ist ebenfalls eine Realität. Zwar unterhält die Kirche ein Theologisches Seminar, das im Schnitt pro Jahr eine Studienabgängerin oder einen Studienabgänger hervorbringt. Nicht alle diese Personen treten aber in den vollzeitlichen Dienst in der EMK ein. Im Moment stehen deshalb Überlegungen im Raum, das Alterslimit für Dienstzuweisungen zu erhöhen.
In den zahlreichen Berichten der Kommissionen und Arbeitsgruppen wurden ermutigende Beispiele kirchlichen Lebens sichtbar:
• Erstmals seit langer Zeit wurde ein nationales Winterlager für Kinder durchgeführt.
• Zahlreiche Männer nahmen an einem dreitägigen Wander-Camp teil.
• Für Menschen mit Suchtproblemen und deren Angehörige wurde eine seelsorgerliche Hotline betrieben.
• 14 Gemeinden engagieren sich nach wie vor für Menschen in/aus der Ukraine.
• Insgesamt 12 redaktionelle Beiträge und Gottesdienste wurden von Radio- und Fernsehprogrammen mit nationaler Reichweite ausgestrahlt. Darüber hinaus gibt es auch in Lokal- und Regionalradios regelmässige Beiträge der EMK.
Herausfordernd ist die finanzielle Situation der Kirche. Insbesondere auf dem Hintergrund teilweise stark sanierungsbedürftiger Liegenschaften, aber auch angesichts rückläufiger Projekt-Unterstützung aus dem Ausland stellen sich derzeit viele Fragen. Ein Lösungsansatz ist der Versuch, durch eine bessere Nutzung kirchlicher Liegenschaften mehr Einnahmen zu generieren.
Ebenfalls aus finanziellen Überlegungen, aber auch um die Leitungsstruktur zu verschlanken, beschloss die Jährliche Konferenz, die Zahl der Distrikte von vier auf drei zu reduzieren. Für den Zentraldistrikt ist zur Entlastung des leitenden Superintendenten Andrzej Malicki neu auch Superintendent Adrian Myśliński mitverantwortlich.
Doch da seien nicht nur Herausforderungen, so Esther Stauffer. Sie habe auch viel Liebe und Hingabe erlebt von Menschen, die sich verschenkten und – manchmal mit ganz einfachen Mitteln – im Vertrauen auf Gott täten, was ihnen möglich sei.
Neben den Sitzungszeiten waren die Feierzeiten wichtige Elemente der Konferenz: der Eröffnungsgottesdienst mit Abendmahl, die Gedenkfeier für im vergangenen Konferenzjahr verstorbene Geschwister und eine Zeit, die Jubilaren gewidmet war. Mit der Sendung in das neue Konferenzjahr fand die Jährliche Konferenz ihren Abschluss – zum ersten Mal übrigens bereits am Samstagmittag.
Quelle: Esther Stauffer / Urs Schweizer, Assistent des Bischofs
Foto © Pastor Damian Szczepanczyk: Distriktssuperintendent Adrian Myslinski (links) und Pastor Wojciech Ostrowski von der EMK Warschau (rechts)