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Säen und ernten in ungarischen Roma-Gemeinschaften

Schon seit Jahrzehnten bemüht sich die Evangelisch-methodistische Kirche in Ungarn, die Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven benachteiligter und oft ausgegrenzter Menschen in Roma-Gemeinschaften des Landes zu verbessern.
 
Zwar lässt sich die genaue Zahl der Roma in Ungarn nicht beziffern, da sich so manche Roma aus Angst vor sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung nicht als solche bezeichnen. Klar ist aber: Die Roma-Gemeinschaft in Ungarn bildet mit über 700'000 Angehörigen die grösste ethnische Minderheit des Landes. Die EMK in Ungarn stellt sich schon seit Jahrzehnten an die Seite der Roma – heute konzentrieren sich ihre Aktivitäten hauptsächlich auf die Orte Abony, Alsózsolca, Kisvaszar, Kürtöspuszta, Somogyfajsz und Tatabánya.
 
Ein wichtiger Teil der Aktivitäten besteht in der Organisation von Hilfe zur Selbsthilfe – zum Beispiel in Form eines Landwirtschaftsprogramms. Dieses hat zum Ziel, Familien und Gemeinschaften im Bewirtschaften von Hinterhofgärten anzuleiten.
 
An mehreren Orten des Landes wurden Obstbäume gepflanzt, und da und dort wachsen nun auch Weintrauben. Ausserdem wird viel Gemüse angebaut: Tomaten, Kartoffeln, Bohnen, Paprika usw. Mit der heranwachsenden Ernte können sich die Roma-Familien zu einem erfreulichen Teil selber versorgen. Dies trifft auch zu, wo Geflügel-, Hasen- und Ziegenzucht den Obst- und Gemüseanbau ergänzen. Zumindest teilweise wird aber auch angestrebt, dass sie ein gewisses Einkommen erzielen können – zum Beispiel durch den Anbau und den Verkauf von Quitte.
 
Wurden bisher im Rahmen des Landwirtschaftsprogramms praktisch alle Arbeiten von Hand ausgeführt, gibt es nun auch erste Versuche, grossräumiger zu denken und Schritte zu einer maschinellen Landwirtschaft zu tun. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit einer ökumenischen Hilfsorganisation.
 
Noch in diesem Jahr soll in Kürtöspuszta ein Gewächshaus gebaut werden, um witterungsunabhängiger Gemüse anbauen zu können.
 
Die Verantwortlichen des Landwirtschaftsprogramms sind überzeugt, dass das Wiederentdecken der Hinterhofgärten und eine Weiterentwicklung der gegenwärtigen Aktivitäten wichtige Schritte im Blick auf eine Selbstversorgung der beteiligten Roma in ländlichen Gegenden darstellen. Wo sich Erwachsene das notwendige Wissen aneignen und es dann später an ihre Kinder weitergeben, entstehen gute Voraussetzungen, dass die heute geleistete Hilfe auch langfristig die Lebensbedingungen der Menschen segensreich zu prägen vermag.
 
Quelle: EMK in Ungarn / Urs Schweizer, Assistent des Bischofs, Zürich (Schweiz)